OdM 32_web

# 32 Untitled
by Mor Gueye

Undated. Reverse Glas Painting

Die Hinterglasmalerei des Künstlers Mor Gueye stellt eine von zahlreichen Wundererzählungen über das Leben des islamischen Heiligen Amadu Bamba dar. Er ist der Begründer der Muridiya, welche heute eine der einflussreichsten Sufi-Bruderschaften des Senegals ist.

Durch sein hohes Ansehen in der Bevölkerung, wurde Amadu Bamba von der französischen Kolonialmacht als potenzieller Führer einer aufkeimenden anti-kolonialen Bewegung betrachtet und daher, trotz Loyalitätsbekundungen, für einige Jahre in Gabun gefangen gehalten. Diese Hinterglasmalerei stellt seine Überfahrt nach Gabun dar, währenddessen ihm nicht erlaubt wurde seine religiöse Pflichten auf dem Schiff zu verrichten. Der Legende nach befreite er sich von seinen Eisenfesseln, sprang über Bord in den Ozean und begann auf einem Gebetsteppich, der aus dem Wasser auftauchte, zu beten.

Seit seinem Tod im Jahre 1927 wird an das Leben Bambas auf eine Weise durch Bilder erinnert, die eine lebendige visuelle Kultur entstehen ließ. Alle diese Bilder sind inspiriert von einer einzigen als authentisch geltenden Fotografie aus dem Jahre 1913. Sie zeigt ihn – wie auf Mor Gueyes Glasmalerei – als Marabout, in weißem Gewand und Turban. In Westafrika ist die Vorstellung weit verbreitet, dass baraka, die Segenskraft, eines Heiligen unter anderem durch Berühren seiner Darstellungen übertragen wird. Wie alle Darstellungen des Heiligen, transportiert auch Mor Gueyes Hinterglasmalerei für Gläubige Muriden sein baraka und ist somit eine Quelle seiner Stärke und Güte.

In der Kolonialzeit war, neben der spirituellen Wirkung, eine wichtige Funktion der Hinterglasmalerei die Widersetzung gegen die koloniale Zensur. Sie bot einen Raum, in dem kulturelle und religiöse Praktiken trotz zahlreicher Verbote fortleben konnten. Die Bilder waren daher eine Ermächtigung für die, die sie herstellten, besaßen oder betrachteten und wurden zu einer alltäglichen Requisite für gläubige Muriden. Heute sind sie zudem Zeugnis einer der vielen Ausprägungen des Islam auf dem afrikanischen Kontinent und weisen auf die Vielfalt und reiche visuelle Kultur des Islam hin.

Lara Buchmann
June 23, 2017

Literatur

Roberts, Allen F. und Mary Nooter Roberts (2003). A Saint in the City: Sufi Arts of Urban Senegal. UCLA Fowler Museum of Cultural History: Los Angeles.