Ohne Titel

# 33 Ohne Titel
von Ulli Beier

Undatiert. Schwarz-Weiß-Fotografie.

Gegenwärtig werden die 120.000 Fotografien des Beier-Archivs im Iwalewahaus digitalisiert und für die Sichtbarmachtung in der Online-Datenbank DEVA vorbereitet, bevor sie an ihre neue Heimat am CBCIU in Oshogbo (Nigeria) verschickt werden. In der Box 39 liegt ein senfgelber DIN A4 Umschlag, auf dem handgeschrieben "Lourenço Marques", "lokale Architektur" und "Guedes" steht. Im Inneren liegen zweiunddreißig Papierabzüge von Ulli Beiers Fotos ohne Datumsangaben: alle in Mosambik, alle in schwarz-weiß mit geringem Kontrast. Zehn der Bilder zeigen Kunst- und Architekturwerke des Architekten, Maler und Bildhauer Pancho Guedes sowie eine Makonde Helmmaske von Guedes Sammlung. Alle anderen Fotografien zeigen Häuser im caniço von Lourenço Marques (heute Maputo), von denen die meisten sich auf Malereien an den Außenwänden konzentrieren, die Menschen, Tiere, Pflanzen und dekorative Symbole und Muster darstellen. 

Die Fotografien sind höchstwahrscheinlich 1960 entstanden. Beier besuchte damals Mosambik. Guedes nahm ihn mit in sein rotes Haus in der Rua de Nevala, wo Beier die Sammlungen und Kunstwerke von Guedes zu sehen bekam. Guedes führte Beier zu seinen realisierten, architektonischen Entwürfen in Lourenço Marques. Schließlich führte der Weg zu den Rändern der modernen Stadt, in die Stadt des Schilfes. Hier bewohnen die Menschen kreative architektonische Konstruktionen, die ursprünglich aus Schilf gemacht wurden - "caniço" auf Portugiesisch. Während Ulli Beier und Guedes herumwandern, fotografieren sie. Beier schießt die Ansicht eines Hauses mit zwei leeren Metallwannen, die gerade vor ihm stehen. Ein abgenutztes gewölbtes Stahldach steht leicht vor und bietet einen schattigen Streifen. Die Front ist komplett mit einer Art Putz verkleidet. Geschnitzte Linien in der glatten Oberfläche bilden ein zufälliges geometrisches Muster. Risse sind hier und da sichtbar. In der Mitte ist eine Tür offen. Eine junge Frau mit Kopftuch blickt hinaus. Nur ihr Kopf ist sichtbar. Statisch und abwesend schaut sie auf die Diamantform, die den Eingang definiert. 

In Lissabon, bei den photographischen Archiven von Guedes gibt es eine weitere Farbaufnahme des gleichen Hauses. Die geometrischen Formen der Fassade sind weiß, blau und grün. 

José Luís Tavares 
University of Porto 
June 15, 2017