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Ohne Titel [Osonyin]
von Buraimoh Gbadamosi

Undatiert. Holzskulptur

Das starke Identitätsbewusstsein der im Westen Nigerias lebenden Yoruba manifestiert sich in ihren kulturellen und religiösen Praktiken. Eine zentrale Tätigkeit der Yoruba-Religion ist die Verehrung der Orishas - des traditionellen Götterpantheons. Die Orishas sind zahlreiche göttliche Wesen mit übernatürlichen Kräften, die gleichzeitig in verschiedenen Formen und Erscheinungen Gestalt annehmen. Es gibt keine Hierarchie, und sie leben in Harmonie mit der Natur. Die meisten Yoruba-Städte hatten in der Vergangenheit heilige Haine, geschützte Bereiche für die Orishas. Heute sind die heiligen Haine von Oshogbo eine geschützte Umgebung für die Häuser der Orishas, die mit Schreinen zur Verehrung und Platz für Rituale ausgestattet sind.
Diese handgeschnitzte Holzskulptur repräsentiert "Osonyin" und symbolisiert den Gott der Medizin. Er verkörpert die magische und mystische Kraft der Pflanzen. Yoruba-Priester bitten um seine Hilfe zum Schutz vor geistigen und körperlichen Krankheiten. 

"He operates the transformative eminence and potency in the herbal medicine. Osonyin is one-legged like the plant and is represented as a staff forged from iron, on whose top at least one bird attests to the tree spiritual affinity to the ethereal expanses. It must never lie on the ground since this would be the end of its positiveness and symbol-capacity to represent the living spirits of the plants: the plant that lies on the ground is dead.”

Signifikante Merkmale der Skulptur sind zwei überdimensionierte Augen, die auf jeder Seite des Gesichts vorstehen. Diese aufgewölbten Augen sind zum Markenzeichen des nigerianischen Künstlers Buraimoh Gbadamosi (1936/38 - 2014) geworden, der als Mitglied der "New Sacred Art" Bewegung in Oshogbo zahlreiche Holz- und Steinskulpturen erschaffen hat. Susanne Wenger, die österreichische Künstlerin und Gründerin der Bewegung, nannte "New Sacred Art" eine moderne Kunstform im Ritualdienst der traditionellen Religion und Philosophie der Orishas. Als Schreiner begann Gbadamosi in den 1960er Jahren mit einer Gruppe von anderen Künstlern an der Erhaltung der Heiligen Haine von Oshun-Oshogbo zu arbeiten.
Osonyin wird durch diese exemplarische Arbeit der modernen "New Sacred Art" Bewegung dargestellt. Das Iwalewahaus kaufte die Holzskulptur des Künstlers im Jahr 1988 an. 

Sabine Linn 
Universität Bayreuth, Iwalewahaus 
September 2017


Literatur
 
Wenger, Susanne (1990): Die heiligen Hainen von Oshogbo. Wien: Kontrapunkt Verlag. S.61.

Beier, Ulli (1975): Die Rückkehr der Götter. Die heilige Kunst von Susanne Wenger. Cambridge: Cambridge University Press.

Probst, Peter (2011): Osogbo und die Kunst des Erbes. Denkmäler, Gottheiten und Geld. Bloomington: Indiana University Press.