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#36 Lame Beggar
von Hezbon Owiti

1966. Öl auf Leinwand.

„The career of Hezbon Owiti (...) is full of promise.“, schrieb Ulli Beier 1968. Owiti wurde 1946 in Central Nyanza/Kenia geboren. Er arbeitete an der University of Ibadan, erhielt 1965 ein Stipendium der Fairfeld Foundation, New York/USA und war 1968 Residenzkünstler an der Sussex University/England. Owiti ist Autodidakt, der sich mit Wasserfarbe, Bleistift und Ton das künstlerische Schaffen beibrachte. Wie viele andere konnte auch der junge Owiti nicht von seiner Kunst leben. Als er in Nairobi als Hausmeister im Chemichemi Cultural Center arbeitete, wurde er von Es’kia Mphalele entdeckt.


Mphalele war ein im nigerianischen Exil lebender südafrikanischer Schriftsteller, der 1961 gemeinsam mit Ulli Beier, Chinua Achebe, Wole Soyinka und anderen den ersten Mbari Club in Ibadan gründetet. Mphalele verschaffte Owiti ein Fairfield Stipendium, welches es diesem ermöglichte nach Nigeria zu reisen. Während seiner Zeit in Oshogbo fertigte er Drucke und Ölgemälde an, darunter den auf 1966 datierten Lame Beggar. Die Atmosphäre der Workshops und die anderen Künstler_innen inspirierten Owiti, so dass er Ölgemälde in kräftigen Farben ähnlich denen der anderen Teilnehmer_innen schuf. Seine erste Ausstellung lief 1965 in der legendären Mbari Mbayo Gallery in Lagos (Nigeria).

Der Lame Beggar ist ein hochformatiges Ölgemälde, das von den Farben Orange, Rot und Blau dominiert wird. Der gelbliche, die Leinwand umgebende Holzrahmen wirkt, als würde er den Bettler langsam von Kopf bis Fuß zusammendrücken. Der auf Achselkrücken gestützte Mann, bekleidet mit kurzen Hosen und zerrissenem Shirt, hat seinen Kopf auf die rechte Schulter gelegt und schaut den Betrachter mit leicht hängenden Augenlidern an. Sein linkes Bein ist unter dem Knie amputiert, sein rechtes Bein sowie sein rechter Arm deuten offene, entzündete, tellergroße Wunden an. Obwohl seine restliche Erscheinung jämmerlich wirkt, verzieht der Mann keine Miene, sein Mund ist in neutraler Mimik geschlossen, was seinem Ausdruck ein Gefühl von Sachlichkeit verleiht.

Sarah Böllinger
2017

Literatur:

Agthe, Johanna: Wegzeichen – Kunst aus Ostafrika 1974 – 89. Frankfurt am Main: Museum für Völkerkunde.

Beier, Ulli: Contemporary Art in Africa. London: Mall Press, 1968.

Kennedy, Jean: Between the Natural and Supernatural, in: New currents, ancient rivers: contemporary African artists in a generation of change. Washington: Smithsonian Institution Press, 1992. S. 143 – 154.
Okeke-Agulu, Chika: Art and Decolonization in twentieth-century Nigeria. Durham: Duke Press.