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#040 Porcellanographie

von Yassine Balbzioui
2016. Porzellan.

Dieses Objekt des Monats lädt zum Berühren ein. Seine glänzende Oberfläche lässt die Fingerspitzen fragen: Wird es sich kalt, glatt, sanft anfühlen? Wird es an die Teetassen erinnern, die ich schon in den Händen hielt?

Yassine Balbzioui, der dieses Stück als Teil einer Serie von besonderen Porzellanobjekten erschuf, ist ein vielseitiger, experimentell arbeitender Künstler. Sein Werk umfasst Wandgestaltungen – eine ist im Iwalewahaus zu
sehen – Zeichnungen, Malerei, Performance und eben auch Porzellanobjekte. Sein Werk ist weltweit in Ausstellungen, Sammlungen und Auktionshäusern vertreten. 2018 ist er ausgewählter Künstler der Dak’ Art, der wichtigen
Kunstbiennale im Senegal.

Sein Projekt Porcellanographie begann während einer Residenz in
Bayreuth. 2016 arbeitetete er auf Einladung des Freundeskreis Iwalewahaus e.V. hin in der Porzellanfabrik Walküre. Hingezogen gefühlt zu Porzellan als Material habe er sich aber schon lange, erzählt Balbzioui. Die Arbeit in einer Region, in der Porzellan Teil des kulturellen Erbes formt, bot ihm die Gelegenheit diese Faszination auszuloten. Yassine Balbziouis Arbeit beinhaltet immer Elemente aus der Performance-Kunst, auch in eher ‚stabilen’ Genres wie Skulptur oder Malerei. Auch dieses Objekt des Monats widerspricht dem gesetzten Standard eines ‚schönen’ Porzellans. Balbziouis Einwirken hat sich dem Material eingeschrieben und erscheint als verzerrte Oberfläche. Dadurch wird es zu einem besonderen und unerwarteten Objekt. Es erfüllt keine Norm – im Gegenteil: die ungewöhnliche Gestalt macht neugierig.

Art Objects betitelte Jeanette Winterson eines ihrer Bücher doppeldeutig. „Kunstobjekte“ heißt das, aber auch: Die Kunst widersetzt sich. Für Yassine Balbziouis Werke gilt – sie sind störrisch und einladend zugleich. Ihre Schönheit erwächst aus ihrer Biographie und ihren komplizierten Begegnungen. Sie spielen mit dem Namen dieses Hauses: Iwalewa – Charakter ist Schönheit.

Katharina Fink
BayFinK (Bayerische Forschungs- und Informationsstelle – Inklusive Hochschulen und Kultureinrichtungen)
2018