Odm_041_Zaubervogel

#041 Der Zaubervogel von Muraina Oyelami

1981. Stoffapplikation.

Muraina Oyelami (geb. 1940 in Iragbiji, Nigeria) zählt zur ersten Künstlergeneration der „Oshogbo-Gruppe“. 1964 nahm er an einem von Georgina Beier geleiteten Workshop in Oshogbo teil, bevor er anfing als professioneller Künstler zu arbeiten. 1982 war er als erster Residenzkünstler des Iwalewahaus zu Gast in Bayreuth. Anders als andere Oshogbo-Künstler beschäftigt sich Oyelami in seinen Werken nicht mit folkloristischen, sondern alltagstypischen Motiven, wie etwa Stadtbildern Charakteristisch für sein Schaffen ist die zunehmende Abstrahierung seiner figurativen Darstellungen. Seine Farbflächen sind häufig mit schwarzen oder weißen Linien konturiert. Oyelamis großes Interesse an Theater und Musik spiegelt sich in der künstlerischen Umsetzung seiner Ideen unter anderem in Stoffapplikationen wider.

In der Applikation Der Zaubervogel hat Oyelami Stoffe mit unterschiedlichen Mustern und Farben verarbeitet. In der oberen Hälfte sind zwei übereinanderstehende Figuren zu erkennen. Die obere Figur erinnert durch den von rotem Gefieder umgebenen schmalen Rumpf und eine schnabelähnliche Form an einen Vogel. Auch der Titel Der Zaubervogel, der vermutlich von Ulli Beier, dem Gründer des Iwalewahaus, gegeben bzw. notiert wurde, bestätigt diese Annahme. Die andere Figur in diesem Werk erinnert an eine menschenähnliche Gestalt, die durch den fehlenden Körper sehr abstrakt wirkt. Andere Applikationen erscheinen wie Häuser, wie etwa in der unteren rechten Ecke des Bildes. Da die Applikation womöglich bei einem Besuch des Künstlers bei der Familie Beier in Sydney (Australien) entstanden ist, verweist sie auch auf Oyelamis Eindrücke seiner Umgebung vor Ort.

Christina Heydenreich
Iwalewahaus, April 2018