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#052 MNGA NGA WAKIE NYEJI

Peters Art,Ohne Jahr. Öl auf Hartfaserplatte

Das Objekt wird der Tingatinga- oder Quadratmalerei zugeordnet; die ab den 1960er Jahren eine der wichtigsten Kunstformen in Tansania wurde. Die Bezeichnung geht auf den Begründer Edward Saidi Tingatinga (1932–1972), bzw. auf das ursprünglich quadratische Bildformat zurück. Letzteres war der perfekten Ausnutzung der handelsüblichen Hartfaserplatten geschuldet. Gemalt wurde ursprünglich mit Fahrradlack, später mit ölbasierten Lacken. Der Maler Peters Art wählte also eher ein ungewöhnliches Format und ölbasierte Farbe. Das Werk ist in zwei Hälften geteilt, in denen sich unterschiedliche Formen der Medizin gegenüber stehen.

Das obere Bild zeigt einen traditionellen Medizinmann vor seinem Haus. Über der Haustür steht „MNGA NGA WAKIE NYEJI“ geschrieben. Auf der rechten Hüttenseite ist der Kopf einer schwarzen Katze abgebildet. Dieser ist ein Symbol für Heilung und Medizin. Die Bildszene spielt im Freien; am linken Bildrand steht ein Baum, dessen Äste mit zahlreichen Blättern und Blüten entlang des oberen Bildrandes fast bis zur rechten Bildkante reichen. An den Ästen sind mit weißen Schnüren zwei geschmückte Kalebassen festgebunden, die über dem Hauptgeschehen hängen. Diese enthalten vermutlich ein Heilmittel. Der Baum selbst kann auch zum Heilen genutzt werden, da der Baum wahrscheinlich ein Niembaum ist, der in Indien und Afrika weit verbreitet ist. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass durch Mücken übertragene Krankheiten im Schatten des Niembaums nicht übertragen werden, da sein Öl als Insektizid wirkt. Die Traditionellen Medizinmänner wissen das. Neben dem Baum fliegt ein schwarz-weißer Vogel. Während des Heilungsrituals kommunizieren viele Medizinmänner mit Tieren, insbesondere mit Vögeln. Der Medizinmann sitzt vor der Hütte. Er trägt einen Wickelrock und eine Mütze. Um den Hals trägt er eine Kette und am linken Oberarm einen Armreif. In seiner rechten Hand hält er eine kurze Astgabel, in seiner linken Hand eine Art Zepter mit einer bunten Kugel. Der Medizinmann schaut nach links, wo ein Besucher steht. Zwischen beiden steht eine Trommel, auf der weitere kleine Astgabeln liegen. Alle Gegenstände werden zum Heilen verwendet. Der Besucher in moderner Kleidung schaut den Bildbetrachter an. Dem Medizinmann hält er seine linke Hand abwehrend entgegen, während er mit dem Zeigefinger der rechten Hand nach links deutet, wohin er sich bereits zum Gehen wendet.

Auf dem unteren Bild sieht man den Besucher des Medizinmannes auf dem Behandlungsstuhl eines modernen Arztes sitzen. Dieser behandelt ihn gemeinsam mit einer Assistentin.Peters Art stellt in seinem Werk die beiden Medizinsysteme gegenüber. In der traditionellen Medizin dreht sich alles um die Natur, Gefühle und Reflektion. Der Medizinmann agiert und lebt als Einzelgänger und arbeitet ohne moderne Technologie. Er redet mit Tieren und Sternen. Im Gegensatz dazu werden in der modernen Medizin Technologie, Sauberkeit und Hygiene sowie moderne Medikamente zur Heilung genutzt. Außerdem arbeitet ein moderner Arzt immer mit Assistenten.

Girmay Gebremedhin ist diplomierter Biologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei BayFinK (Bayerischen Forschungs- und Informationsstelle – Inklusive Hochschulen und Kultureinrichtungen). Hier promoviert er zum Thema: Barrierefreiheit und Inklusion für Studierende mit Behinderung an deutschen Hochschulen.