#55_Untitled (Detail) by Djilatendo

#55 Ohne Titel (Detail) von Djilatendo 1931.

Demokratische Republik Kongo Bleistift und Wasserfarbe auf Papier

Djilantendos Graphik zeigt das geometrische Muster eines Schachbretts, dessen Felder mit Aquarell in den Farben Lila, Schwarz, Rot und Dunkelgrün ausgemalt sind.Das eierschalenfarbene Tonpapier ergänzt die Palette um einen fünften Farbton. Die Vorzeichnung des Rasters mit Bleistift ist durch den Farbauftrag hindurch erkennbar. Das Schachbrett ist allseitig gerahmt von einem ehemals aubergine-lila gemaltem Streifen, dessen Farbe fast vollständig verblasst ist ebenso wie bei den gleichfarbigen Feldern. Djilantendos Signatur schlägt eine horizontale Lesart des Musters vor und befindet sich in der untersten Reihe des Schachbretts etwa mittig. Dort steht mit Tinte geschrieben „Tshelatendu à Ibahse le 1/12/31“. Es wird vermutet, dass Djilatendo seine Werke auf Wunsch seines Auftraggebers Georges Thiery signierte. Allerdings variiert die Schreibweise seines Namens auf den einzelnen Blättern (z.B. „Tschelatenduo“ oder „Tschielatendu“). Als „Djilatendo“ wurde „Tshelantendu“ ¹ von Thiery in Belgien eingeführt und unter diesem Namen ist er heute bekannt. „Ibashe“ bzw. „Tschibashi“ ist der Heimatort Djilatendos.

Die Graphiken Djilatendos in der Sammlung des Iwalewahaus stammen aus dem Nachlass des belgischen Kolonialbeamten Gaston Denis Périer. Dieser war Direktor des Ministeriums für Kolonien gewesen und hatte einen seiner Kolonialbeamten, Georges Thiery, Ende der 20er- Anfang der 30er Jahre gebeten sich nach Wandmalerei im Kongo umzusehen. Thiery war beeindruckt von einem Wandgemälde auf Djilatendos Hütte und beauftragte ihn, Motive der Wandmalereien mit Aquarellfarben auf Papier zu übertragen. Thiery kaufte seine Bilder entweder mit Geld oder mit europäischen Konsumgütern und sandte sie nach Brüssel an Périer, welcher Ausstellungen der Werke Djilatendos und Albert Lubakis in Europa organisierte und Artikel über die Künstler schrieb.

Djilatendos geometrische Aquarelle stehen in der Tradition der Wand- und Körpermalerei. Das Motiv des Schachbretts oder Rasters variierte er als Thema verschiedentlich. Es ist fest eingebunden in den Kanon der Dekoration der Lulua, der Ethnie, der Djilatendo angehörte. Das Nebeneinander der entstehenden Positiv- und Negativräume bringt das geometrische Muster in Schwingung und erscheint wie die Notation eines Rhythmus.

Felicia Nitsche

Masterstudentin und studentische Mitarbeiterin am Iwalewahaus