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#58 Tibebe Terrfa (1948-)

Harar Impressions, 1992

Acryl auf Leinwand, 49,8 x 40,3 cm

Ausstellungsort: Das Objekt des Monats ist Teil der Ausstellung in der Schlossgalerie Bayreuth. Vor Ort erläutern DGS-Videos und Infokarten die Kunstwerke. Im Frühjahr 2021 werden Onlineveranstaltungen auch jenes Publikum erreichen, das nicht den Weg in Schlossgalerie findet. 

Für zeitgenössische Kunst ist Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens, ein nationaler Brennpunkt. An der Universität wird seit Jahrzehnten bildende Kunst gelehrt, es gibt zahlreiche Galerien und Museen und einige äthiopische Künstler haben über die Metropole den Sprung auf die internationale Bühne geschafft. Das Objekt des Monats richtet den Fokus jedoch auf Harar, ein altes Handelszentrum im Osten Äthiopiens. Der Künstler Tibebe Terrfa wurde 1948 in Harar geboren. Auch sein Weg führte über die Hauptstadt in internationale Museen und Ausstellungen. Zuletzt waren seine Arbeiten in Kanada und in den USA zu sehen.
Der Stadt seiner Herkunft hat er dieses Acrylgemälde gewidmet.
Die Altstadt von Harar ist von einer hohen Stadtmauer umgeben und das historische Stadtzentrum mit seiner dichten Bebauung zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auf seinem Acrylgemälde Harar Impressions verdichtet Tibebe Terrfa das städtische Leben in den mittelalterlichen Mauern in einer grafisch-abstrakten Komposition. Wie bei einem Fenster überspannen vier Bogen schlanke Bahnen, die den Blick auf ein dichtes Getümmel freigeben. Gesichter sind zu erkennen, ohne dass einzelne Individuen hervorgehoben werden würden. Die Augen, Münder und Nasen sind vielmehr in ein ornamentales Gerüst eingebettet. Die Felder unter den Halbrundbögen sind nicht gleichmäßig, sondern mal quadratisch, mal hochrechteckig. Mal werden sie von nur einem Augenpaar oder einer Gesichtsbeschreibung gefüllt. Mal sind es viele Augen, die zu einer anonymisierten Menge zusammengereiht werden.
Durch die farbliche Konzentration auf Rot- und Brauntöne erfährt Tibebe Terrfas Stadtimpression eine harmonische Akzentuierung. In rötlichen Streifen wird die Umgebung der Stadt beschrieben. Der schemenhaften Schilderung von Architektur und urbanem Leben sind kräftige Brauntöne vorbehalten. Der Feuerball der Sonne prangt über Stadt und Land.
Tibebe Terrfas Blick auf Harar wird von verschiedenen Darstellungstraditionen geprägt. Die regionalen Schulen der Buchmalerei haben sicher einen Anteil an der ornamental ausgekleideten Beschreibung gehabt. Auch die Wahl der Farben findet in der Buchmalerei Vorbilder. In Harar Impressions arbeitet Terrfa 1992 noch mit Anklängen an die dingliche Welt. Seine aktuellen Arbeiten haben die Stofflichkeit meist hinter sich gelassen.

Philipp Schramm
Koordinator BayFink
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Universität Bayreuth

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