Künstlergespräch

talya lubinsky granite lava model 2021

05.07.2021 // 19:00 Uhr

Melting memory cultures at the Flossenburg quarry

An Artist Talk with Talya Lubinsky

Kritische Gespräche über das Gedenken an den Holocaust in Deutschland gewinnen an Schwung. Besonders da sie sich mit der verleugneten öffentlichen Erinnerung an den Kolonialismus und der Aufarbeitung des zeitgenössischen Rassismus überschneiden. Lubinsky nimmt das Gelände des Granitsteinbruchs Flossenbürg als Ausgangsort ihrer Arbeit. Im nahe gelegenen Konzentrationslagers wurden Häftlinge während der Nazizeit zur Arbeit gezwungen. Von diesem Ausgangspunkt werden die möglichen Bedeutungen von Granit diskutiert. Da Granit als ewig und unveränderlich gilt, wird er häufig als Material des Gedenkens eingesetzt. Durch Experimente mit Erhitzung und Abkühlung wird der Lebenszyklus des Granits freigelegt. Einst floss er unter der Erdoberfläche, brach dann als vulkanische Lava aus und kristallisierte zu dem, was nun als verfestigte Materie zu sehen ist.

Talya Lubinsky ist bildende Künstlerin, die in Berlin/Deutschland lebt. In ihrer forschungsbasierten Praxis verwendet sie elementare Materialien als charakteristische Bezeichnungen für poetische Bedeutungen, die spezifischen Beziehungen und Geschichten eine Form geben. Ihre Ausstellung "Marble Dust" (Berlin, 2020) beispielsweise betrachtete die materielle Beziehung zwischen Dauerhaftigkeit und Zerfall, die in Gedenkstätten und Friedhofslandschaften verkörpert wird. In ihrer Installation für das Iwalewahaus "Floating Bodies" (Bayreuth, 2017) mobilisierte eine Anekdote aus einem Familienarchiv die Verwendung von Sandsäcken als Metapher für die menschlichen Pflicht, Barrieren gegen die Naturgewalt einer Flut zu errichten, die hier als eine Kraft der Geschichte imaginiert wird. 'If we burn, there is ash' (Johannesburg, 2016), zum Beispiel verwendete sie Asche und Zement als Materialien, um die möglichen Folgen von Feuer und Verbrennung in Bezug auf koloniale Sammlungen materieller Kultur zu untersuchen.

Im Jahr 2021 hat das Iwalewahaus Talya Lubinsky als eine seiner Artists in Residence eingeladen, um das 40-jährige Bestehen des Iwalewahaus kritisch zu feiern. In ihrer Residenz wird sie mit der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg im Lichte unserer gemeinsamen Arbeit an dekolonialen Erinnerungskulturen kooperieren. Das Programm wird vom Institut für Afrikastudien unterstützt. (kf, ib)

Datum
05.07.2021 // 19:00 Uhr
Ort
Courtyard Iwalewahaus
Sprache
English
Partner
IAS