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Women on Aeroplanes

Women in the Independence Movements in Africa

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© Collage with details from the cover of the LP „récital“ (Toto Bissainthe, 1967-68), film still from „Visages de femmes“ (Désiré Ecaré, 1985) and exhibition view, „Kodak“ (Tacita Dean, 2006) by A. Busch & MH Gutberlet, 2017.
“The aeroplanes they travel with are real. But sometimes they stand still or land themselves.” Kojo Laing

Während der langen Geschichte der Befreiungskämpfe und transatlantischer Netzwerkorganisation in den verschiedenen Ländern Afrikas haben Frauen immer eine wichtige Rolle gespielt. Ihre Namen, Biografien und Beiträge sind jedoch weitgehend unbekannt geblieben. Mit dem Recherche- und Ausstellungsprojekt „Women on Aeroplanes“ suchen das Iwalewahaus in Bayreuth und das Centre for Contemporary Art in Lagos zusammen mit der ifa-Galerie in Berlin, dem Muzeum Sztuki Nowoczesnej in Warschau und The Showroom in London diese Lücke zu füllen und gehen der Rolle von Frauen in den afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen nach.



Das Projekt konzentriert sich dabei auf drei entscheidende Dekaden vor und nach verschiedenen Unabhängigkeitserklärungen der 1950er bis 1970er Jahre. Mit der Methode der künstlerischen Forschung werden die politischen und künstlerischen Beiträge dieser Frauen sicht- und hörbar gemacht und auch die Momente ihres Verschwindens nachvollzogen. Zugleich sollen neue Parameter und Prämissen für das Narrativ der Unabhängigkeitsbewegungen selbst entwickelt werden, das einen weiter gefassten Begriff von Unabhängigkeit zur Grundlage nimmt, der sich von einer Geschichte des Freiheitskampfes absetzt. Der geweitete Blick auf Beziehungen und Netzwerke erlaubt eine differenzierte Wahrnehmung der transnational verwobenen Geschichte und Gegenwart. Der Titel "Women on Aeroplanes" geht zurück auf den Roman des ghanaischen Schriftstellers Kojo Laing ("Woman of the Aeroplanes") und sucht ähnlich wie der Ausgangstext eine neue Grammatik der Geschichtsschreibung zu etablieren. Zugleich assoziiert er: Grenzüberschreitungen, Mobilität, Reiserouten, Klassenzugehörigkeiten, die Überwindung von Geschlechterrollen sowie die Gründung der afrikanischen staatlichen Fluggesellschaften während der Unabhängigkeitseuphorie der ersten Jahre. Das multilokal angelegte Projekt entwickelt sich von Ort zu Ort (Berlin, Lagos, Bayreuth, London, Warschau) und durchläuft verschiedene Stadien. Es erprobt angepasst an die jeweiligen Rahmenbedingungen verschiedene Formate einer übergreifenden künstlerischen Praxis: Vom Workshop zur Ausstellung, vom Schneideraum zum Resonanzraum; über eine Reihe von Vorträgen und Filmprogrammen bis hin zu der spielerischen Erarbeitung eines kuratierten Lehrplans. Den roten Faden bildet die Spurensuche nach der nigerianischen Künstlerin Colette Omogbai, Künstlerin der frühen Nsukka School, deren einziges hinterbliebenes Werk in der Sammlung des Iwalewahaus Bayreuth zu finden ist.

Kuratorinnen: Annett Busch, Marie-Hélène Gutberlet und Magda Lipska.

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Women on Aeroplanes #1: FILTER

Schneideraum (Vorträge & Materialsichtung)

30 November – 3 December 2017

 ifa Gallery Berlin

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Die erste Station von Women on Aeroplanes, FILTER, in der ifa-Galerie Berlin war als Reihe von Vorträgen, Gesprächen und Präsentationen konzipiert, in denen mit verschiedenen kritischen, theoretischen und optischen Filtern gearbeitet wurde. Das Ziel war Werkzeuge, eine Methode, eine Grammatik zu entwickeln, die einen anderen Vorstellungsraum ihrer Repräsentation und Geschichtsschreibung ermöglichen. Cutter*innen, Künstler*innen, Archivforscher*innen und Produzent*innen, Historiker*innen und Kurator*innen diskutierten die Prozesse der Entscheidungsfindung und die Kriterien, die zum nächsten Schnitt, zur Dauer der nächsten Einstellung und zum Rhythmus führen. Die Ergebnisse dieser Filterprozesse wurden gemeinsam mit den Methoden des Edierens/des Schnitts als einem Mittel erörtert, mit dem ihre Sichtbarkeit ansprechbar wird.

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Foto: Victoria Tomaschko

 

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Foto: Victoria Tomaschko

 

Teilnehmer*innen: Fatoumata Diabaté (Montpellier), Künstlerin / Ndidi Dike (Lagos), Künstlerin, Kulturaktivistin / Jihan El Tahri (Paris), Filmemacherin und Autorin / Kodwo Eshun (London), Künstler und Autor / Shahira Issa (Berlin), Künstlerin, Cutterin / Brigitta Kuster (Berlin), Künstlerin und Theoretikerin / Michelle Monareng (Johannesburg), Künstlerin und Forscherin / Uche Okpa-Iroha (Lagos), Künstler / Iheanyichukwu Onwuegbucha (Lagos), Forscher / Emily Pethick (London), Kuratorin, Leiterin The Showroom / Lisl Ponger (Wien), Künstlerin / Cara Snyman (Johannesburg), Kunst- und Kulturmanagerin / Emma Wolukau-Wanambwa (London), Künstlerin.

Annett Busch, Marie-Hélène Gutberlet, Magda Lipska, Nadine Siegert.

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Foto: Victoria Tomaschko

 Women on Aeroplanes #2: SEARCH RESEARCH

Auf der Suche nach Colette Omogbai

23. Mai bis 26. Mai 2018, Centre for Contemporary Art, Lagos

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Die zweite Station von Women on Aeroplanes am Centre for Contemporary Art, Lagos mit dem Titel SEARCH RESEARCH: Looking for Colette Omogbai umfasste eine Reihe von Vorträgen, die sich mit verschiedenen theoretischen und künstlerischen, akademischen und nichtakademischen Strategien des Suchens und Forschens befassten. Ausgehend von den fast detektivischen Nachforschungen um die nigerianische Künstlerin Colette Omogbai und deren Werk, hat sich die allgemeiner gefasste Frage ergeben: Wie lässt sich die Präsenz von Frauen trotz ihrer Nicht-Repräsentation im Verlauf der Geschichtsschreibung offenlegen und mobilisieren?

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Die Kunst und das Leben der modernen nigerianischen Pionierinnen-Künstlerinnen Clara Etso Ugbodaga-Ngu, Afi Ekong, Colette Omogbai, Theresa Luck-Akinwale und Ladi Kwali bleiben bislang weitgehend unbekannt und unveröffentlicht, dabei ist ihre Arbeit für das Verständnis moderner nigerianischer Kunst von elementarer Bedeutung.

Die Künstlerinnen sind nicht nur im weiter gefassten Bildrahmen ihrer Zeitgenossen Ben Enwonwu, Uche Okeke, J.D.‘Okhai Ojeikere, Demas Nwoko, Bruce Onobrakpeya abwesend, ihre Unsichtbarkeit wird in Abfolge und Referenzen wiederholt, bis zu heutigen Kunstpraxen und Kunstgeschichte. Folgende Fragen wurden dabei adressiert:

Wie können wir die Leerstelle adressieren, wie suchen wir nach ihnen? Welche neuen kunstgeschichtlichen Methoden können in einem Kontext entwickelt werden, in dem die Handlung der Geschichte durch Abwesenheit definiert wird? Wenn wir die Künstlerinnen finden, was könnte sich in der Erzählung ändern?

Künstlerinnen und Kunsthistoriker, Archiv-Forschende und Autorinnen, Philosophinnen und Kuratorinnen sprachen miteinander über Prozesse des Suchens und Herausfindens in ihren jeweiligen lokalen und transnationalen Betätigungsfeldern ihrer detektivischen Arbeit.

Teilnehmer*innen: Garnette Cadogan, Rahima Gambo, Gladys Kalichini, Maryam Kazeem, Jihan El-Tahri, Lungiswa Gqunta, Fabiana Lopes, Seloua Luste Boulbina, Temitayo Ogunbiyi, Wura-Natasha Ogunji, Michael C. Vazquez. Annett Busch, Marie-Hélène Gutberlet, Magda Lipska, Nadine Siegert.

Die Veranstaltung haben Bisi Silva, Director CCA, Lagos und Iheanyi Onwuegbucha, Associate Curator CCA, Lagos koordiniert.

Lagos CCA AB

Women on Aeroplanes #3: RESONANZ

15. Juni – 17. Juni 2018, Iwalewahaus, Bayreuth

 

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Die Women On Aeroplanes sind auch in Bayreuth gelandet, mit dem Iwalewahaus als Relais Station und Resonanzkörper. Das wachsende Display aus Audio-Dateien von Vorträgen und Diskussionen, den Inflight Magazinen der Women on Aeroplanes Airline, Postern und anderen Materialien gab einen Einblick, in das was bisher geschah und was im Lauf des Jahres 2019 entstehen wird: während der Arbeitstage zur Methode des Filterns und Editierens in der ifa-Galerie in Berlin (Dezember 2017), beim Workshop im Zentrum für Zeitgenössische Kunst Lagos (CCA, Mai 2018), zu Fragen der Recherche rund um die Künstlerin Colette Omogbai, zum Gasworks- Stipendium von Lungiswa Gqunta und zu den Ausstellungen in The Showroom/London und im Museum for Modern Art Warschau. Das Display blieb auch nach dem Workshop am Iwalewahaus installiert und ist noch bis Juni 2019 dort sicht- und hörbar.

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Teilnehmer*innen: Marie-Hélène Gutberlet, Annett Busch, Magda Lipska, Nadine Siegert, Ulf Vierke, Lena Naumann, Raimi Gbadamosi

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Women on Aeroplanes #4:

The Showroom, London  

Ausstellung

3. Oktober 2018 bis 26. Januar 2019

Women on Aeroplanes hat in London neue Arbeiten der Künstlerinnen Lungiswa Gqunta, Pamela Phatsimo Sunstrum und Emma Wolukau-Wanambwa ausgestellt. Mit sehr unterschiedlichen Stilmitteln der künstlerischen Recherche verarbeiteten alle drei Künstlerinnen die weitgehend unerkannte Rolle von Frauen in den Befreiungskämpfen, ihre Stimmen in revolutionären sozio-politischen Bewegungen und vollzogen ihre Teilnahme an der Bildung transatlantischer Netzwerke seit den 1930er Jahren nach. Netzwerke, die das Fundament für die Unabhängigkeitsbewegungen legten und der postkolonialen Staatenbildung in Afrika vorausgingen.

Folgende Fragen wurden dabei in den Blick genommen: Welche Voraussetzungen führen dazu, dass sich bestimmte Individualgeschichten durchsetzen, während andere unbemerkt bleiben oder vollständig in Vergessenheit geraten? Welche Mechanismen greifen ineinander, um eine institutionelle oder strukturelle Ausradierung zu ermöglichen? Und wie kann das Aufdecken solcher zum Schweigen gebrachter Narrative das kollektive Denken antreiben? Diese Fragen stellten The Showroom zusammen mit The Otolith Collective innerhalb eines kuratierten Formats anlässlich der Londoner Station von Women on Aeroplanes.

Künstlerinnen: Lungiswa Gqunta, Phatsimo Sunstrum, Emma Wolukau-Wanambwa

Emma Wolukau-Wanambwa, Carrying Yours and Standing Between You, Mixed media installation 2018, Photo Daniel Brooke
Emma Wolukau-Wanambwa, Carrying Yours and Standing Between You, 2018. Mixed media installation. Photo: Daniel Brooke.

 

Pamela Phatsimo Sunstrum, Exalt E.H., Painted mural on exterior of the Showroom 2018, Photo Daniel Brooke
Pamela Phatsimo Sunstrum, Exalt B.H. 2018. Painted mural on exterior of The Showroom. Photo: Daniel Brooke

 

Lungiswa Gqunta, What songs will we sing when everything returns to us, Installation 2018, Photo Daniel Brooke
Lungiswa Gqunta, What songs will we sing when everything returns to us, 2018. Installation. Photo: Daniel Brooke

 

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Women on Aeroplanes #5: Niepodległe. Women, Independence and National Discourse

26. Oktober 2018 bis 3. Februar 2019

Museum für Moderne Kunst, Warsaw

Die Ausstellung Niepodległe: Women, Independence and National Discourse untersucht, welche Rolle Frauen in den Erzählungen nationaler Befreiung im zwanzigsten Jahrhundert spielten. Ausgehend von der Wiederbelebung hundert Jahre polnische Unabhängigkeit, blickt die Ausstellung auf historische Schlüsselmomente und unterschiedliche Befreiungsbewegungen: beginnend mit dem Jahr 1918, dann 1945 – als der politische Unabhängigkeits-Diskurs auf die Dekolonisierung des globalen Südens ausweitet wurde –, bis 1989, dem Ende des Kommunismus, das eine neue Ära der Globalisierung einläutete. Die Ausstellung offenbart den geschlechtsbedingten Charakter historischer Narrative und zeigt, wie in nationalen Erzählungen, zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten, systematisch über die Frauen hinweg geschaut wurde.

Der Titel der Ausstellung postuliert eine dringend notwendige Verschiebung: weg von einem symbolischen Verständnis von Weiblichkeit und ihrer allegorischen Darstellung der Nation, wie es der metonymische Ausdruck niepodległa nahelegt ("Unabhängigkeit selbst," das sich auf beides, das Land, das im Polnischen weiblich ist, und auf eine Frau bezieht, die unabhängig ist); hin zu einer Wahrnehmung von konkreten Frauen, die an Unabhängigkeitsbewegungen teilhatten. Was lässt sich durch die Präsenz oder vielmehr die Abwesenheit von Frauen über die Bedingungen eines Landes sagen, oder allgemeiner formuliert, über die zeitgenössische Kultur? So verweist die Pluralform im Titel, niepodległe (wörtlich „Frauen der Unabhängigkeit“), zugleich auf ein in der Geschichtserzählung übersehenes Kollektiv und auf die politische Agenda von Frauen unabhängig von den Begrenzungen, die die normative Ordnung festlegt. Die Arbeiten der 29 Künstler*innen der Ausstellung untergraben die patriarchale Ordnung der historischen Erzählungen und wollen ein vielfältigeres Bild von Frauen und der Art und Weise gestalten, wie sie in der Geschichte dargestellt werden.

Künstler*innen: Anna Baumgart, Bownik, Gloria Camiruaga, Filipa César, Kudzanai Chiurai, Ewa Ciepielewska, Tony Cokes, Katarzyna Górna, Marlene Dumas, Eulàlia Grau, Zuzanna Hertzberg, Lubaina Himid, Sanja Iveković, Zuzanna Janin, Mathieu Klebeye Abonnenc, Zbigniew Libera, Goshka Macuga, Anna Niesterowicz, Thenjiwe Niki Nkosi, Colette Omogbai, Witek Orski, Frida Orupabo, Aleksandra Polisiewicz, Jadwiga Sawicka, Catarina Simão, Trinh T. Minh-ha, Adejoke Tugbiyele, Kemang Wa Lehulere, Emma Wolukau-Wanambwa.

Kuratorin: Magda Lipska

Kollaboration: Annett Busch, Marie-Hélène Gutberlet

 

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